Eine umfassendere Darstellung des Kulturellen Lebens, nach einem Vortrag, gehalten im Jahre 1996 von Dr.- Ing.Helmut Schneider †, finden Sie hier als Langfassung als Langfassung und hier als Kurzfassung.

 

Musikleben der 30er- Jahre

 

Kurzfassung finden Sie hier und die Langfassung hier.

 

Theaterleben - Stadttheater

theater1.jpg (13036 Byte)

Das Theaterleben Brünns läßt sich bis 1669 zurückverfolgen und belegen. Zwar erhielt Brünn erst 1734 ein hölzernes Opernhaus; es war das spätere Redoutengebäude am Krautmarkt. Leider brannte es 1785 zum ersten mal und 1786 zum zweiten Mal ab. Nach dem dritten Brand 1870 behalf man sich mit Behelfstheatern, bis am 14. November 1882 das neue Stadttheater, das aus Spenden deutscher Bürger und Industrieller finanziert wurde, eröffnet und eingeweiht werden konnte. Da es als erstes Theater des Kontinents eine elektrische Beleuchtung erhalten hatte, reiste zur Eröffnung sogar Thomas Alva Edison an, der Erfinder und Konstrukteur der ersten Glühlampe.
Der Bau des Theaters und der elektrischen Beleuchtung geht auf den Brünner Bürgermeister Gustav Winterholler zurück, der ob seiner Verdienste später Ehrenbürger der Stadt, und nach dem ein großer Platz in Augartennähe benannt wurde. (Leider muß an dieser Stelle vermerkt werden, daß tschechische haßgetränkte Zerstörungswut die Gräber sämtlicher deutscher Ehrenbürger nach Kriegsende einebnete.)

Das neue Theater eröffnete die Möglichkeit, zahlreiche bedeutende Künstler, und sei es nur zu Gastspielen, nach Brünn zu holen. Auch entwickelte es sich als Sprungbrett zu Karrieren an der Wiener Oper und an anderen großen Opernhäusern bis hin zur Newyorker Met. Wenige Namen mögen das illustrieren: Leo Slezak, Maria Jeritza, Attila Hörbiger, Willi Forst u.v.a.

Das Ende des ersten Weltkrieges war das Ende eines bedeutenden deutschen Theaterlebens. Nur an zwei Tagen stand das von den Tschechen übernommene Theater den Deutschen gegen eine hohe Miete zur Verfügung; Redoute und die Bühne des Deutschen Hauses halfen, das Theaterleben nicht ersterben zu lassen.

Zwar konnte das Stadttheater nach der Errichtung des Protektorates Böhmen und Mähren wieder in Besitz genommen und bespielt werden, doch wirkten sich die kriegsbedingten Schwierigkeiten zunehmend stärker aus. Trotzdem wurde gespielt, bis die Vertreibung der Deutschen allem ein Ende machte.

Aus den oben erwähnten Künstlernamen greifen wir einen heraus:

Maria Jeritza. Eine Schilderung dieses reich bewegten Lebens wollen wir unseren Lesern nicht vorenthalten:

Mizzi Jedlička alias Maria Jeritza

Brünn, Zeile Nr.79, 2. Stock. Wir schreiben 1887. Eine Armeleutewohnung. Dort verbrachte Mizzi Jedlička ihre Kindheit und frühe Jugend. Eine Etage unter ihr wohnt der Kapellmeister Robert Stolz. Er steht am Beginn seiner Laufbahn. Wenn die Mizzi des Morgens Brot und Milch einkaufen geht, bringt sie dem "Pane Kapelníku" die Zigaretten mit - was von den fünf Kreuzern an Wechselgeld übrigbleibt, gehört ihr.

Als Stubenmädchen in einem Brünner Hotel verdient sie sich das Geld, das sie für den Klavierunterricht braucht, und der sieben Jahre ältere Stolz- verschafft ihr in der Person des Kantors Auspitzer den ersten Gesanglehrer. Denn auch die Mizzi Mizzi Jedlička zieht es zur Kunst.

Am Brünner Deutschen Stadttheater singt die 17-jährige im Chor. Bis zu jenem denkwürdigen Abend des Jahres 1904 :

Es gastierte als AIDA die Wiener Star-Sopranistin Else Bland. Der 2.Akt dieser Verdi-Oper endet mit einem Ensemble- Chor, der in das berühmte, langanhaltende Hohe C der Sopranistin mündet.

Das Publikum lauert auf diesen Spitzenton. Elsa Bland holt Luft, um dazu anzusetzen, da erklingt dieser Ton aus der Mitte des Chores heraus wunderbar klar und rein, von makelloser Schönheit und Ausdauer. Das Haus applaudiert spontan. Mizzi Jedlička lacht spitzbübisch, die Bland erstarrt - und in ihr Schweigen fällt der Vorhang.

Dieser Skandal wendete die Laufbahn des Chormädels zu jener der Solistin Mizzi Jeritza. Der Backfisch Mizzi war von Natur aus gar nicht so couragiert, wie dieser Vorfall vermuten lassen könnte. Der Beginn ihrer weiteren Karriere läßt vielmehr auf ziemliche Schüchternheit schließen. Ihr Lehrer Auspitzer mußte nämlich zu einer List greifen, um sie dem Direktor des Olmützer Theaters vorzuführen, der durch den bewußten Brünner Abend auf sie aufmerksam geworden ist. Er versteckte ihn im Nebenzimmer, während er Mizzi in einer der regelmäßigen Gesangstunden vorschlug, nun einmal das gesamte, bisher erarbeitete Repertoire durchzugehen. Den Direktor hielt es nicht lange in seinem Versteck, er stürmte heraus und verpflichtete die junge Sängerin als Solistin nach Olmütz.

Die Elsa im "Lohengrln" ist ihre Antrittsrolle, es folgen die Agathe im "Freischütz", Gounods Margarethe, Puccinis Manon Lescaut. Und mit einem Gastspiel an der Wiener Volksoper gelingt der erst Zwanzigjährigen bei einer Tosca - Inszenierung der Sprung nach Wien. Sommer 1910. Die knapp Dreiundzwanzigjährige, erst vor kurzem von der Mizzi Jedlička zur Maria Jeritza mutiert, hat den Sprung von Olmütz nach Wien geschafft, ist an der Volksoper engagiert. Ihr Logis ist ein billiges kleines Vorstadthotel in der Nähe des Währinger Gürtels; wer dem jungen Ding im zerschlissenen Morgenmantel und mit den schiefen Absätzen auf dem Weg zur Milchfrau begegnet, wo sie sich ihr Frühstück holt, wird sich kaum vorsteilen können, daß aus ihr schon bald eine der gefeiertsten Primadonnen des Jahrhunderts werden wird.

Wer sich in die Biographie der Jeritza vertieft, landet in aller Regel an den beiden Stätten ihrer größten Erfolge: Wien und New York. Ein wichtiger dritter Pol bleibt ausgespart: das Salzkammergut. Dabei sind hier die Weichen für ihre Karriere gestellt worden. Und das ging so:

Dr.Erich Müller, Direktor des Ischler Sommertheaters, sieht sich in der Hauptstadt nach Besetzungen für seine Operetten um. In diesem Jahr steht "Die Fledermaus" auf dem Programm; was er noch braucht, ist eine attraktive Rosalinde. Wär’ das nicht etwas für diese temperamentvolle Nachwuchskraft, die vor kurzem als "Tosca" an der Volksoper Furore gemacht hat ?

Maria Jeritza winkt ab: Sie hat noch nie Operette gesungen. Doch der Dr.Müller läßt nicht locker: Wer sich so hervorragend bei Puccini bewährt hat, kann auch bei Johann Strauß unmöglich scheitern. Man einigt sich also: Maria Jeritza übersiedelt nach Ischl, zusammen mit ihrer Mutter bezieht sie in einer nahe dem Theater gelegenen Sommervilla Quartier.

Direktor Müller hat seiner Neuerwerbung nicht zu viel versprochen:

Kaiser Franz Joseph ist - wie angekündigt - unter den Premierengästen. Und von allen der begeistertste! Als Maria Jeritza im zweiten Akt ihren Auftritt als "ungarische Gräfin" hat und den berühmten Czardas singt, erzwingt Seine Majestät ein da capo. Und als er auch nach der Wiederholung der Arie nicht zu klatschen aufhört, muß sie ein drittes Mal ihr "Klänge der Heimat, erweckt mir das Sehnen" singen. Dann aber verlassen sie ihre Kräfte: Die Künstlerin unterbricht ihr Spiel, tritt an die Bühnenrampe, verneigt sich in Richtung Hofloge und gibt Seiner Majestät, indem sie kopfschüttelnd auf Mund und Hals weist, zu verstehen, daß ihre Stimme eine Pause braucht. Kaiser Franz Josef lächelt, die Vorstellung kann fortgesetzt werden.

Für Maria Jeritza aber hat sie ein ebenso denkwürdiges wie folgenreiches Nachspiel: Baron Prileszky, Adjutant des Kaisers, läßt die Künstlerin wissen, Seine Majestät lege größten Wert darauf, sie von nun an auch in Wien zu hören - und das bedeutet: nicht in der Volksoper, sondern in "seiner" Hofoper. Noch in derselben Spielzeit wird der stolze Transfer, der unter normalen Umständen noch so manches Jahr hätte auf sich warten lassen, Wirklichkeit, und Maria Jeritza debütiert im renommierten Haus am Ring.

Am 27.Oktober 1907 heiratet die Zwanzigjährige den Fabrikanten Friedrich Wiener.

"Duse der Oper" und "Opern-Vamp" nennen sie die einen, "Teufel in Engelsgestalt" die ändern, "Primadonna assoluta" alle miteinander. Puccinl, der sie um ihrer "Tosca", ihrer "Turandot" und ihres "Mädchens aus dem goldenen Westen" willen über alles verehrt, hat ihr Porträt auf seinem Schreibtisch stehen; Richard Strauss holt sie sich zur Uraufführung der "Ariadne" nach Stuttgart und schreibt ihr die "Ägyptische Helena" auf den Leib (nur die Verleugnung ihrer Weiblichkeit, die ihr die Hosenrolle des Oktavian im "Rosenkavalier" abverlangt, kostet sie harte Arbeit). Spitzentöne von betörender Schönheit und ein schauspielerisches Temperament, wie man es nie zuvor auf der Opernbühne erlebt hat, ihre gewagten Dekolletes, ihre verführerischen Roben und ihre Pfauenfederwimpern, ihre Liebesszenen, ihre Bühnenküsse, aber auch ihre Wutausbrüche sind Legende.

Acht Jahre nach Kaiser Franz Josephs Tod - also 1924 - siedelt sich Maria Jeritza selber im Salzkammergut an. Ein Besuch auf dem Berghof, der Künstlerkolonie oberhalb von Unterach, gibt den Ausschlag: Hier fühlt sie sich so wohl, daß sie sich unverzüglich nach einem passenden Besitz umsieht. Im Sommer 1925 hält die Achtunddrelßig- jährige an der Seite ihres 2.Gatten Leopold Popper Freiherr von Podhragy im eigenen Landhaus an der Uni-eacher Uferstraße Einzug» Wandern ist gut für die Lunge, Rudern gut für die Muskeln. Einmal pro Saison werden die Nachbarskinder aus dem Ort zur Jause eingeladen - die heiße Schokolade und die üppigen Torten, die ihnen von der Frau des Hauses in der Veranda kredenzt werden, sind für die. einfachen Dorfkinder in den entbehrungsreichen Zeiten der zwanziger Jahre höchster Luxus.

Maria Jeritza, selber kinderlos, ist gleichwohl ein Familienmensch, und so nistet sich nach und nach auch die Verwandtschaft der Primadonna in deren Attersee-Villa ein. Besonders ihren beiden Schwestern soll es - nun, wo das große Geld da ist - besser gehen als daheim in Brünn, wo man sich mit der Armeleutewohnung im zweiten Stock des Hauses Zeile Nr. 79 neben einer Käsefabrik begnügen mußte.

Im biederen Unterach bekommt man von alledem wenig mit: Hier sucht sie Ruhe, hier schöpft sie neue Kraft, hier sind keine Konkurrenten mit Nebenbuhlerinnen zu bestehen. Hier ist sie treusorgende Glucke ihres Familienclans, und als sie 1931 aus der inzwischen zu klein gewordenen Vierzehn-Zimmer-Villa ein paar Häuser weiter in eine mit vierundzwanzig Zimmern umzieht, kann sie sich auch als Gastgeberin der Einheimischen von einer noch besseren Seite zeigen. Nun sind nicht mehr nur die Nachbarskinder, .sondern die gesamte Schuljugend von Unterach zum alljährlichen Sommerfest ins "Haus am See" geladen, die Gemeindeverwaltung ernennt sie zur Ehrenbürgerin, und die Straße, an der ihre beiden Häuser stehen, wird noch zu ihren Lebzeiten auf den. Namen Jeritza getauft.

Als"die Jeritza" 1966 Sekretär und Anwalt von ihrem Hauptwohnsitz New Jersey nach Österreich entsendet, um den Verkauf der älteren ihrer beiden Villen in der Salzkammergutgemeinde Unterach abzuwickeln, ist die inzwischen Neunundsiebzigjährige eine so vermögende Frau, daß ihr am Inventar ihrer überseeischen Besitzungen wenig liegt, und so erwirbt der überglückliche Käufer, der Dentist Ewald Stadler, mit Villa, Grund und Bootshaus auch all die persönliche Habe, die auf die vierzehn Zimmer des Hauses verteilt ist: Das Bett, in dem er schläft, ist Maria Jeritzas Bett; am Stingl-Klavier in der Halle hat sie ihre Rollen einstudiert; am Grammophonschrank mit der riesigen Schellack-Sammlung hat sie den Stimmen Carusos und Giglis gelauschte Auch in der Garderohe ist alles so, wie sie es zurückgelassen hat: die Hutsammlung, der Theaterschmuck« Wenn die Stadlers auf den Gedanken verfielen, ein Kostümfest zu veranstalten, kämen sie ohne Leihanstalt aus.

Wenn sich am Rosenmontag die Kinder in Unterach zum Faschingsumzug formieren, sind die Enkel des jetzigen Besitzers des Jeritza-Hauses fein heraus: Im Haus Jeritza-Straße Nr. 15 kann man in punkto Kostüme aus dem vollen schöpfen. Allein die Hüte, die die"Frau Baronin" hinterlassen hat, lösen spielend jedes Verkleidungsproblem. Es sind Gebilde von einer Exzentrik, wie man sie im Land um den Attersee vorher wie nachher kein zweites Mal zu Gesicht bekommen hat : Wagenräder, Stoffgebirge, Turmbauten. Und erst das verarbeitete Material! Seide und Samt, Organza und Tüll. Dazu Straußen-, Marabu- und Reiherfedern in Hülle und Fülle !

Damals in den dreißiger Jahren, als die Jeritza in festem Engagement der Métropolitain Opera New York stand, waren der Phantasie ihres Hutmachers John Frédérics keine Grenzen gesetzt, und so entstanden in seinem Atelier in der 33.Straße Hüte von einer Kühnheit, wie sie wohl nur eine einzige Frau auf der Welt tragen konnte: Maria Jeritza.

Und nun im ländlich-biederen Unterach! Was schon in der Fifth Avenue und in der Kärntnerstraße Aufsehen erregte, war erst recht auf dem Dorfplatz der stillen Atterseegemeinde ein Spektakel, und wenn die Frau Kammersängerin sonntags zur Messe erschien und - natürlich mit einer gewissen Verspätung - durchs Kirchenschiff zur ersten Bank schritt, wo sie vorn rechts ihren Stammplatz hatte, war es für Hochwürden, den Herrn Pfarrer, gewiß kein leichtes, das Interesse der Gemeinde von den Hüten der Jeritza auf das Wort Gottes umzulenken. Aber so ist das eben, wenn man eine Primadonna, wenn man einen Weltstar unter seinen Schäflein hat ...

Und wer 1953 die damals 66-jährige in der Hofoper Wien als Tosca, zum Abschluß ihrer Bühnenlaufbahn, schmelzend schwärmen, herzzerreißend weinen, furchterregend wüten und hochdramatisch in den Tod springen sah, dem hat sie an einem einzigen Abend das Erlebnis eines großen halben Jahrhunderts der Oper vermittelt.

So sehr sich der alte Kontinent bemühte, das begnadete Brünner Kind auf dem Weg über Wien für sich zu vereinnahmen — die Jeritza wählte ihren Standort selbst. Und sie wählte ihn selbstbewußt, wie die Frau eben war, in Newark bei New York Dort war es in den letzten Jahren still geworden um die bemerkenswerte alte Dame, die einst - nicht allein durch ihre Gesangskunst - die Gemüter zu erregen verstand. Fast 95 Jahre zählte Mrs.Mary Seery, verwitwete Sheehan, gewesene Freifrau Popper v.Podhragy, geschiedene Wiener, geborene Mizzi Jedlička, als ihr Leben am 10 Juli 1982 zu Ende ging. In Newark fand sie ihre letzte Ruhe und kein geringerer als der New Yorker Kardinal Cooke zelebrierte das Requiem. Standesgemäß für unsere "Brinnadonna” assoluta, die unter ihrem Künstlernamen Maria Jeritza unvergessen weiterleben wird.

(Aus Nachlaß Dr.H.Schneider, † 2011)

 

 

Das Deutsche Haus

Nicht zuletzt das Vorhandensein des tschechischen Vereinshauses "Besední dum” bewog später auch deutsche Kreise, die Schaffung einer Stätte geselligen und geistigen deutschen Lebens anzustreben. Treibende Kraft war der Brünner Industrielle Friedrich Wanieck, unterstützt von namhaften deutschen Vereinen. 1889 begann man zu bauen, 1891 war es fertiggestellt, und am 21. Mai wurde es eingeweiht.
Ein Bau, ausgeführt als Backsteinbau in roten Ziegeln, in Anlehnung an Rathäuser der deutschen Spätrenaissance, mit einer reichgegliederten Ostfassade, mit schmucken Arkaden und einer großen Sommerterrasse, einer monumentalen Vorhalle und einer großen, breiten Freitreppe. Im oberen Geschoß waren drei Festsäle untergebracht; besonders der große Festsaal, mit einem Fassungsraum von 2000 Menschen war wie geschaffen zur Abhaltung großer Feierlichkeiten. Dort fand auch nach 1918 unser Theater eine neue, provisorische Heimstätte.

Rings um das Deutsche Haus entstanden gefällige Grünanlagen mit farbenprächtigen Blumenbeeten, die mit ihrem frischen Grün einen reizenden Rahmen zu dem schmucken, repräsentativen Haus abgaben und dieses wirkungsvoll hervorhoben. Bald wurde das Deutsche Haus der Mittelpunkt des geistigen und gesellschaftlichen Lebens der Deutschen Brünns. Mitten im blumenreichen Vorpark fand das vom Brünner Bildhauer Brenek modellierte Denkmal Kaiser Josefs II. in historischer Gewandung und überdimensionaler Größe seine Aufstellung. Zu beiden Seiten des Sockels symbolisierten zwei allegorische Figuren, und zwar linker Hand die ,,Kunst und Wissenschaft", rechts die ,,Aufklärung" das Denkmal. Den Sockel zierte die Inschrift "Kaiser Josef II. Die Deutschen Brünns 1892", während die Rückseite die bekannte Ackerszene bei Slawikowitz als Relief schmückte.

1918 wurde dieses Denkmal als eines der ersten Opfer nationaler Unduldsamkeit und trotz seines historischen Wertes von tschechischen Legionären in den ersten Umsturznächten umgelegt.

Die Geschichte des Deutschen Hauses währte von 1891 bis 1945, insgesamt also 54 Jahre. Es war der treue Wegbegleiter zweier Generationen in guten und in schlechten Tagen.

Es erlebte den Aufschwung und die Blüte des deutschen Brünns um die Jahrhundertwende, sah im Ablauf der Jahre in seinen Räumen so ziemlich alle Deutschen der Stadt, markante Köpfe des Geisteslebens, Angestellte und Arbeiter, biedere Handwerker, Industrielle und Kaufherren, aber auch die deutschen Bauern der Umgebung. Unzähligen genußreichen Abenden und festlichen Unterhaltungen lieh es seinen vornehm-glanzvollen Rahmen. Große Konzerte mit farbigsten Orchesterklängen, mit Künstlern von Weltruf, prominente Gäste aus allen Gauen des deutschen Sprachraumes, Dichterlesungen, Versammlungen  wechselten in bunter Folge. Immer waren aber alle Veranstaltungen eine Manifestation des deutschen Brünn.

Bild der Ruine

Gegen Ende des Krieges erlitt das Deutsche Haus Bombenschäden. Ein Wiederaufbau wurde durch die Vertreibung und den Todesmarsch verhindert. Die tschechischen Machthaber ließen durch deutsche Gefangene den Rest des Hauses dem Erdboden gleich machen.

Dies ist der 1207860. Aufruf dieser Seiten seit dem 01.02.2001.
© 2001-2017 BRUNA e.V.