Der größte Logiker seit Aristoteles

(Kurzfassung)

Kurt Gödel,
geboren am 28. April 1906 in Brünn gestorben am 14. Januar 1978 in Princeton, New Jersey, USA

Zur Familiengeschichte
Rudolf August Gödel, Kurt Gödels Vater, entstammte einer alteingesessenen Brünner Familie. Er wurde 1874 im Brünn geboren. Die Wohnung der Familie befand sich in der Bäckergasse 9, in der auch eine Familie Handschuh wohnte. Als seine Eltern nach Wien zogen, die Mutter stammte von dort, blieb Rudolf in Brünn, wo „Tante Anna“ die Mutter vertrat.

Rudolf August kam mit dem Gymnasium nicht zurecht und wurde mit 12 Jahren in eine Weberschule geschickt, die er auch mit Auszeichnung abschloß. Er erhielt sofort eine Anstellung in der damals sehr renommierten Tuchfabrik Friedrich Redlich. In dieser Fabrik wurde er leitender Direktor und später auch Teilhaber am Unternehmen.

Das im gleichen Hause wohnende Ehepaar Handschuh hatte eine Tochter, Marianne. Die heiratete Rudolf Gödel am 22. April 1902 in Brünn. Der Kindersegen für das junge Paar stellte sich bald ein. Marianne schenkte zwei Söhnen das Leben, Rudolf und später Kurt.

Kurt Gödels Kindheit
Kurt erlebte eine glückliche Kindheit. Er hing sehr an seiner Mutter und war verängstigt und verstört, sobald sie nicht in seiner Nähe war. Im Alter von 6 Jahren erkrankte er an einem rheumatischen Fieber, wurde aber wieder gesund. Diese Erkrankung und später noch weitere führten dazu, daß ihn die Sorge um seine Gesundheit sein ganzes Leben lang begleitete.

Seine schulische Ausbildung beschloß er 1924 mit der Matura am Brünner Realgymnasium. Schon während der Schulzeit hatte er sich Mathematikstoff angeeignet, wie man während eines Universitätsstudiums vermittelt bekommt . Dazu schrieb sein Bruder:
„Auch während der Gymnasialzeit war mein Bruder einseitiger orientiert als ich.... Mathematik und Sprachen rangierten weit vor Literatur und Geschichte.“
Da Kurt Gödel sich in der ČSR wie „ein Österreicher im Exil“ fühlte, stand es für ihn, wie auch für seinen Bruder Rudolf außer Frage, daß nur Wien ihr Studienort sein konnte.

Wien
Wien war auch nach dem ersten Weltkrieg eines der herausragendsten geistigen Zentren der Welt, berühmt für Rechtswissenschaften und Medizin, Physik, Mathematik, Sozial- und Wirtschaftswissenschaften, Philosophie und Theologie. Viele bemerkenswerte Persönlichkeiten lebten damals in Wien, Strauß, Mahler, Klimt, Kokoschka; darunter auch die aus Brünn stammenden Adolf Loos (Architekt) und Ernst Mach (Physiker).

Zu Beginn des Studiums konnte sich Kurt Gödel noch nicht zwischen Mathematik und theoretischer Physik entscheiden. Er besuchte die Vorlesungen von Furtwängler, Hahn, Wirtinger, Menger und anderen. Die Vorlesungen von Furtwängler machten den größten Eindruck auf ihn und so beschloß er, Mathematik zu seinem Hauptfach zu machen.

Als Nebenfach besuchte er ein Seminar, gehalten von Schlick, welches sich mit Russels Buch „Einführung in die mathematische Philosophie“ beschäftigte.

Schlick und Furtwängler gaben Gödel die entscheidenden Impulse, sich intensiv mit den Grundlagen der Mathematik auseinanderzusetzen.

Er vollendete seine Dissertation im Jahre 1929 mit dem Titel „Über die Vollständigkeit des Logikkalküls“ Für diese erstklassige Arbeit wurde ihm am 6. Februar 1930 die Doktorwürde verliehen.

Sein Vater starb 1929. Dessen berufliches Leben war erfolgreich verlaufen und so ließ er seine Familie in gesicherten wirtschaftlichen Verhältnissen zurück.

Nach dem Tode des Vaters kam auch die Mutter nach Wien um in der Nähe ihrer beiden Söhne zu sein und in der Absicht, diese stärker an das Wiener Kulturleben heranzuführen.

Kurt Gödel hatte sich schon zu Beginn seines Studiums dem sogenannten „Wiener Kreis“ angeschlossen, der seinerzeit von Mach gegründet worden war. Dort traf er auch seine spätere Frau Adele Porkert.

1931, also im Alter von gerade 25 Jahren veröffentlichte er seine bedeutendste wissenschaft-liche Arbeit, mit der er die scheinbar heile Welt der Mathematik in Aufruhr versetzte. Diese trug den Titel „Über formal unentscheidbare Sätze der Principia mathematica und verwandter Systeme“ und Gödel bewies damit den „Unvollständigkeitssatz“.

USA - Princeton
Durch diese Arbeit und die daraus abzuleitenden Resultate wurde Gödel als einer der führenden Logiker seiner Zeit anerkannt. Das führte zu einer Einladung nach Princeton/USA, an das neu gegründete „Institute for Advanced Study“ , der er 1934 Folge leistete. Dort traf er auch mit John von Neumann zusammen.

In dieser Zeit wurde seine psychische Erkrankung offenkundig in Form von depressiven Stimmungen und hypochondrischen Zwangsvorstellungen. Insbesondere letzteres trug er wahrscheinlich seit seiner Kindheit in sich. Er hatte sich ja bereits im Alter von 8 Jahren in Selbstdiagnosen versucht.

Nach seiner Rückkehr nach Wien im Jahre 1934 hatte er eine Einladung nach Princeton für eine weitere Dozententätigkeit in der Tasche, Diese nahm er aber zunächst nicht wahr, anhaltende Depressionen führten zu Sanatoriumsaufenthalten.

1938 heiratete er schließlich Adele Porkert, die er bereits seit über 11 Jahren kannte. Noch im gleichen Jahr besuchte er zum zweiten Mal Princeton, kehrte 1939 nach Wien zurück, wo er, da Österreich jetzt zum Deutschen Reich gehörte, andere Verhältnisse vorfand. Er war inzwischen seiner Stellung als Privatdozent verlustig gegangen. Dazu kamen weitere Widerwärtigkeiten, die ihm den Aufenthalt verleideten. Er beantragte ein Visum für die USA und als er es erhielt, reiste er mit seiner Frau über Moskau, Sibirien, Peking und Tokio nach den USA.

Am „Institute for Advanced Study“ 1) wurde er ordentliches Mitglied, blieb es bis 1946, avancierte dann zum ständigen Mitglied, das er bis 1953 blieb. Von da an besaß er eine Professur an der „Princeton University“ 2), die er mit dem Privileg keine Vorlesungen halten zu müssen, bis zu seinem Tode innehatte.

1951 erhielt er den wichtigen „Einsteinpreis“ und1974 die Nationalmedaille für Wissenschaft der USA. Er wurde Mitglied der „Royal Society“ und vieler andere herausragender wissenschaftlicher Vereinigungen.

Gödel beschäftigte sich in den USA mit wichtigen wissenschaftlichen, mathematischen Problemen. Manches löste er nicht, aber er zeigte Wege zu Lösungen auf, die dann von anderen Forschern zu Ende geführt wurden

Zunehmend beschäftigte er sich mit mathematisch-philosophischen Fragen, allerdings ohne Bereitschaft zu zeigen, sich gültigen Philosophieschulen und Lehrmeinungen anzuschließen. Im Gegenteil, er lehnte solche strikt ab. Was Wunder, daß ihm diese die Anerkennung als Philosoph verweigerten und ihn als philosophisch dilletierenden Mathematiker bezeichneten. Einmal noch, in der Gedenkschrift zu Albert Einsteins 70. Geburtstag ging er nochmals ein großes Thema an, nämlich die Relativierung der Zeit.

Seine These über die Zeit  war und ist immer noch, daß es im „Gödel-Universum“ keine intuitive Zeit, eine Zeit die vergeht, gibt. Der Titel dieses sechsseitigen Aufsatzes lautete: „Eine Bemerkung über die Beziehungen zwischen der Relativitätstheorie und der idealistischen Philosophie.“

Mit den Jahren nahm Gödels Sorge um seine Gesundheit immer dramatischere Formen an. Zu den eingebildeten Krankheiten kamen noch echte dazu.

Kurt Gödel starb am 14. Januar 1978 nachmittags. Die Todesursache: Wahrscheinlich Unterernährung, er wog bei seinem Tode noch gerade 29 Kilogramm.

Was bleibt von Gödel: Für uns nicht so viel, weil wir wenig von seiner Arbeit verstehen können. Für die Brünner aber doch der Stolz, daß ihn ihre Vaterstadt hervorgebracht hat, für die Mährer, daß er ihrem Kulturkreis entstammte .

  Ein amerikanischer Wissenschaftler wurde gefragt, wer denn Kurt Gödel sei. Er antwortete:

„Der größte Logiker seit Aristoteles!“

 

Anmerkung:
1) Das Institute of Advanced Study in Princeton ist eine reine Denkfabrik, ohne Unterrichtsbetrieb
2) Die Princeton University ist dagegen die Universität des Staates New Yersey.

Die Ausführliche Fassung enthält auch noch einen Anhang, in dem die Beziehung zwischen Einstein und Gödel beleuchtet wird. 

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