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Der Beitrag der deutschen Bürgermeister zur Infrastruktur der Stadt Brünn im 19. Jahrhundert.
Vorweg ein Blick in das 18.Jahrhundert

Vortrag, gehalten am 17. September 2005 in Brünn, anläßlich der "Hundertjahrfeier Mährischer Ausgleich"
von Dr. Erich Pillwein

Kurzfassung. Langfassung finden Sie hier.


Die Stadtverwaltung zur Zeit von Kaiser Joseph II., dem Sohn Maria Theresias

Die von Josef II.  ab 1780 eingeleiteten Reformen waren so zahlreich und tiefgreifend, daß man sogar von einem "Josefinischem Zeitalter" spricht.

Uns interessiert hier vor allem die Vereinheitlichung und Zentralisierung des öffentlichen Rechts. Auf dieser Grundlage wurde eine sogenannte Magistratsregulierung erlassen, was praktisch zu einer Verstaatlichung der bis dahin weitgehend selbständigen Stadtverwaltung(en) führte. Die Bürger hatten einen 24-köpfigen Ausschuß zu wählen, der seinerseits die Mitglieder das Magistrates, den Bürgermeister und die Magistratsräte wählte. Diese waren Beamte hoher Qualifikation, die Prüfungen im Rechtswesen ablegen mußten.

Es war dies ein gewaltiger Eingriff in die bis dahin ausgeübte städtische Selbstverwaltung, der sich die Bürger fügten, schon weil sie sich fügen mußten, obwohl schnell klar wurde, daß die Stadtverwaltung keineswegs selbständig wurde, sondern in Abhängigkeit von zwei anderen Obrigkeiten geriet: der Statthalterei und den Wiener Hofbeamten.

In Brünn fanden diese Wahlen im Mai 1784 statt. Während die Ausschußmitglieder und die Magistratsräte ständig  im Amt blieben, erfolgte die Wahl des Bürgermeisters für die Dauer von vier Jahren. Eine Verlängerung war bei kaiserlicher Zustimmung möglich. Der erste nach den neuen Regeln gewählte Bürgermeister hieß Franz Rauscher. Er und seine Räte erweiterten systematisch ihre Befugnisse und engten so allmählich auch die Reste der alten städtischen Selbstverwaltung ein. Bemerkenswert ist auch, daß der Magistrat Zuständigkeit in zivil– und strafrechtlichen Angelegen-heiten besaß. Mit der Zeit kam es auch zu einem stärkeren Einfluß auf die Randgebiete der Stadt. Diese wurden allmählich administrativ von den bis dahin noch  geltenden Weisungsbefugnissen ihrer alten Obrigkeiten befreit.

Die Mittel für die immer mehr anwachsenden Aufgaben wurden hauptsächlich über Verbrauchssteuern hereingeholt, wie ein Getränkezuschlag oder der sogenannte Zinskreuzer.

Die Zahl der Einwohner verdoppelte sich bis zum Mitte des 19. Jahrhunderts, was vornehmlich auf das starke Anwachsen der industriellen Gewerbetätigkeit zurückzuführen war. Die ertragreichsten Gebiete waren die Wollverarbeitung und der Maschinenbau. Auch der Anschluß der Stadt an das entstehende Eisenbahnnetz spielte eine Rolle.

Trotz der erkennbaren Fortschritte die die neuen Regelungen mit sich brachten, litt die Bevölkerung unter einem von ihr so empfundenen Übermaß an Bürokratie und ganz allgemein an dem Verlust der früheren Freiheit. Diese Einstellung und Haltung war auch der Grund für die Neuregelungen, die schließlich das "Revolutionsjahr" 1948 hervor brachte.

Ab hier folgen Sie dem Wortlaut eines Vortrages, gehalten am 17. September 2005 in Brünn,
anläßlich der „Hundertjahrfeier Mährischer Ausgleich" von Dr. Erich Pillwein.


Wir befinden uns also knapp vor der Hälfte des 19. Jahrhunderts: 1848 – das Revolutionsjahr.

Ja, Revolution. In halb Europa gab es blutige Straßenkämpfe. In Österreich – Wien, in Preußen– Berlin, in Frankreich– Paris. In Baden, in Italien, in Ungarn. In Prag– Slawenkongreß und radikaler Aufstand. Überall entlud sich lang angestauter Zorn, hervorgerufen durch die Entscheidungen des "Wiener Kongresses. Dort wurde Europa nach dem Sieg über Napoleon unter der Regie von Metternich zwar neu geordnet, liberale Bestrebungen aber in den folgenden Jahrzehnten erbarmungslos unterdrückt. Auch in den Kerkern des Brünner Spielbergs schmachteten Opfer dieser Unterdrückung.

In Brünn bildete sich, als deutliches Zeichen des Mißmutes der Bevölkerung über die staatliche Bevormundung ein Ausschuß, bunt zusammengesetzt aus Hausbesitzern, Akademikern, Fabrikanten, Beamten, Geschäftsleuten und Adeligen.  Durch die Revolution war eine beachtliche Arbeitslosigkeit entstanden. Um deren Beseitigung oder Linderung kümmerte sich dieser provisorische Ausschuß.

Erst nachdem 1849 in  Wien durch Graf Stadion eine "Provisorische Gemeindeverwaltung" verabschiedet wurde, konnte der Ausschuß seine Aufgaben in die vorgesehenen amtlichen Strukturen überführen. Wir können uns demnach ab jetzt mit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts beschäftigen.

Sie war durchbraust von Wirtschaftsoptimismus, Technikoptimismus und Wissenschaftsoptimismus. Es waren Aufbruchjahre, Gründerjahre, wie sie auch genannt wurden; und die städtische Entwicklung Brünns spiegelt das wider.

Die nationalen Auseinandersetzungen allerdings nahmen zu, aber sie blieben glücklicherweise so gut wie ohne Menschenopfer.
Ich beginne mit einer wichtigen Jahr: 1848. Ein Jahr voller dramatischer Ereignisse und Veränderungen. Es kam plötzlich Bewegung in eine erstarrte Gesellschaft, in die verkrusteten Staaten.
Kaiser Ferdinand erließ am 15. März 1848 ein Patent, das die Pressefreiheit wieder herstellte und die Errichtung einer Nationalgarde vorsah, was auch in Brünn mit großem Jubel aufgenommen wurde. Da die Aufstände in Wien im Herbst erneut aufflammten, flüchtete der Kaiser nach Olmütz, verzichtete dann aber am 2. Dez. 1848 auf seinen Thron zugunsten seines Neffen, der als Kaiser Franz Joseph I., gewarnt durch die Ereignisse des Jahres, die Umgestaltung der Monarchie zusicherte durch:
— Gleichberechtigung aller Völker des Reiches,
— Gleichberechtigung aller Staatsbürger,
— Teilnahme der Volksvertreter an der Gesetzgebung.
Das war ein weitreichender Umbruch, dessen Ausmaß wir uns heute gar nicht richtig vorstellen können, der aber überwiegend Zustimmung, oft sogar Jubel auslöste.

1848 war aber auch das Jahr des Panslawistischen Kongresses in Prag, und aus dem, was dort gesprochen und verhandelt wurde ersieht man bereits, daß die Ankündigungen von Franz Joseph I. wohl schon zu spät kamen. Denn schon damals sprach man in Prag unter anderem davon, daß innerhalb der folgenden 100 Jahre alles Deutsche östlich der Linie Stettin - Triest zu verschwinden habe. Ganz so kam es nicht, aber einiges von dieser Vision erfüllte sich 1945; das aber ist Hitler zu verdanken.

1848 brachte auch für Brünn viele Veränderung.
Eine wesentliche: Bis 1848 gab es in Brünn keine Nationalitätsfrage. Die Stadt war deutsch, gesprochen wurde aber Deutsch ebenso wie Tschechisch, von der Stadtbevölkerung ebenso wie auf dem Lande. Der tschechische Anteil an der Stadtbevölkerung war gering, das nationale Selbstbewußtsein war noch nicht richtig erwacht.
Das änderte sich in den folgenden Jahrzehnten, die Auseinandersetzungen verschärften sich. Die deutsche Dominanz in der Verwaltung aber blieb bis 1918 bestehen.
Erfreulicherweise war das tschechische Streben nach mehr Rechten, das teilweise recht aggressiv verlief, begleitet von der Entwicklung eines eigenständigen Kulturlebens; und ebenso erfreulich ist, daß die Berührungspunkte beider Nationalitäten auf kulturellem Gebiet vielfältig waren und sogar zu gemeinsamen Veranstaltungen führten.

Mein Thema beginnt eigentlich erst ein Jahr später, 1850, denn da wurde am 6. Juli die provisorische Gemeindeordnung für die Landeshauptstadt Brünn erlassen.

Brünn hatte ab 1851 bis zum Ende des 1. Weltkrieges neun Bürgermeister. Klarerweise kann ich nicht die Tätigkeit aller schildern.

Wenn ich diesen, nämlich Christian d’ Elvert besonderes herausgreifen werde, so hoffe ich, seine besondere Bedeutung für die Stadtentwicklung im folgenden deutlich machen zu können. Bei der ersten Bürgermeisterwahl im Mai 1851 kandidierte d’ Elvert, von der öffentlichen Meinung gestützt, unterlag aber dem Oberlandesgerichtsrat Haberler, der vom Statthalter Lažansky gefördert wurde.

1848 war aber auch noch aus einem anderen Grund von Bedeutung. Die Israeliten fanden wieder Eingang und Existenz in Brünn. Wieso wieder?
König Ladislaus von Böhmen hatte 1454, obwohl gerade 15 Jahre alt, in einem Ausweisungsdekret verfügte, daß alle Juden, ausnahmslos, bis zum St. Martinstag 1454 die Stadt zu verlassen hätten.
Diese Zeiten waren nun vorbei, und der Geist der religiösen Unduldsamkeit hatte sich verflüchtigt. Die wenigen, bis dahin in Brünn tolerierten Juden, erhielten Verstärkung. Es dauerte nicht lange, bis sie eine Kultusgemeinde gründeten, einen Tempel mit einem Kostenaufwand von 100.000 Gulden bauten, und manches andere mehr. Ihre Gemeinde wuchs zu einem Bevölkerungsanteil von mehr als 2000 Seelen heran.

Aber kehren wir wieder zurück zu unseren Bürgermeistern. 1855 kümmerte sich d’ Elvert als Mitglied des Gemeinderates um die weitere Entwicklung des Brünner Gemeindelebens, und dies offenbar recht erfolgreich, denn die Gemeindevertre-tung verlieh ihm sechs Jahre später das Ehrenbürgerrecht der Landeshauptstadt Brünn. Und am 21. April des gleichen Jahres wurde er mit eminenter Mehrheit zum Bürgermeister gewählt. Leider kosteten ihn seine nicht nachlassenden Bemühungen um Vereinfachung der Verwaltung bei den 4 Jahre später fälligen Neuwahlen im Mai 1864 das Amt, weil die „Separatisten" , man könnte auch sagen „Intriganten" des 1. Stadtbezirkes, des „alten, königlichen Brünn" , verbündet mit dem verfassungsfeindlichen Teil der Tschechen (mit Ausnahme von Pražák, wie d‘Elvert ausdrücklich in seinen Schriften festhält) mit einer Stimme Mehrheit Alfred Skene zum Bürgermeister machten, von dem sie sich eine Bestärkung ihrer Rechtsansprüche erhofften.
Er resignierte am 22. Mai 1866, sicherte aber seinem Freunde Dr .Carl Giskra die Wahl zum Ehrenbürger Brünns. Das war wahlentscheidend und Giskra wurde am 1.7.1866 zum Bürgermeister gewählt und blieb es bis zum 30.12. 1867, also nur gut 1 ½ Jahre; denn dann wurde er Minister des Inneren.
Bereits 1866, im Jahr seiner Wahl rückten die Preußen in Brünn ein. Vielleicht erinnert sich der eine oder andere noch daran, daß Österreich gegen Preußen Krieg führte und eine bittere Niederlage in Königgrätz hinnehmen mußte. Am 12. Juli 1866 marschierten die preußischen Regimenter in Brünn ein. Sie verhielten sich recht diszipliniert, Übergriffe hielten sich in Grenzen. Brünn stöhnte unter den Belastungen, insbesondere der bereit zu stellenden Verpflegung. Insgesamt verschlang die zweimonatige Occupation der preußischen Truppen 230.000 Gulden.
Und wer da alles Brünn die Ehre gab ! Mal der preußischen König Wilhelm, der eines Tages auch mit großem Interesse das Schlachtfeld von Austerlitz inspizierte, dann der Kronprinz Friedrich Wilhelm, der Staatskanzler von Bismarck und der General Moltke.

Fast schlimmer als die Preußen belastete Giskra und die Stadtverwaltung die Cholera, die wieder einmal zugeschlagen hatte, und an der damals über 2000 Personen erkrankten, von denen die Hälfte verstarb. Vizebürgermeister Herlth erwarb sich große Verdienste um die Eindämmung der Epidemie und die Namen von 14 Ärzten sind uns überliefert, darunter auch offensichtlich tschechische Ärzte, wie die Namen Dvořák und Smelík vermuten lassen.

Ich wollte Ihnen aber hauptsächlich von d’ Elvert berichten.

Im April 1803 geboren, war er zweieinhalb Jahre alt, als Napoleon die Schlacht von Austerlitz gewann. Er war 6 Jahre alt, als Napoleon zum zweitenmal in Brünn weilte, viele Festungswerke sprengen und den Brunnen im Hofe der Spielbergfestung zuschütten ließ. Von da an besaß der Spielberg keinen strategischen Wert mehr.
D´ Elvert aber mußte erstmal studieren. Das tat er in Brünn, Olmütz, Prag und Wien. Sein Interesse für die Geschichte seiner Geburtsstadt und für Geschichte überhaupt, bewog ihn sehr früh Material zu sammeln, und in der Tat, bereits mit 25 Jahren veröffentlichte er seine „Geschichte Brünns". Am 16.Juni 1861 hatte d’ Elvert sein Amt als Bürgermeister angetreten und auf den Tag genau einen Monat später stellte er bereits den Antrag den Spielberg zu bepflanzen.

Wie dieser aussah erkennt man hier auf einer alten Darstellung, die aber auch zu d’ Elverts Zeit galt: ein völlig kahler Berg, kahl gehalten aus militärischen Gründen.

Der Bepflanzungsvorschlag weckte im Rat nur geringe Begeisterung. Schuld daran waren die Kosten, die mit 6000 Gulden veranschlagt waren. Zum anderen die Befürchtung, daß die Anlagen eines Tages aus militärischen Gründen der Gemeinde wieder entzogen würden.

Um letzteres auszuschließen, wandte sich d’ Elvert an das Landes-Generalkommando, das dem Vorhaben zustimmte, auch wenn eine Reihe von Auflagen damit verknüpft wurden. Da d’ Elvert das Vorhaben mit aller Energie betrieb, konnte schon am 19. September, also bereits drei Monate nach Amtsantritt, – d’ Elvert war ein Tatmensch –, an den bewährten Augärtner Schebanek der Auftrag erteilt werden, mit den Arbeiten zu beginnen. Wegen der knappen Mittel wandte sich d’ Elvert direkt an die Besitzer großer Gärten und Wälder und bat um Überlassung von Bäumen und Sträuchern. Es gelang ihm auch militärische Kräfte für die Erdbewegungen zu mobilisieren; und schließlich rief er die Bevölkerung Brünns zur Mithilfe auf.

Die umfangreichsten Erdbewegungen wurden an der Nord- und Ostseite vorgenommen und dort auch mit der Bepflanzung begonnen, denn der Aufruf hatte Erfolg: Tausende von Bäumen und Sträuchern waren gespendet worden. Es wurde ohne Zweifel eine bemerkenswerte Leistung erbracht, ohne Bagger, ohne LKW und ohne Planierraupen, nur mit den Mitteln der Zeit: Schaufeln, Schubkarren und Pferdefuhrwerken, aber eben angetrieben durch die Unbeirrbarkeit des Bürgermeisters und dadurch, daß es ihm gelang, den Gemeinsinn der Einwohner zu wecken; was um so erfolgreicher gelang, je mehr die Bevölkerung den Nutzen und die Schönheit des in nie dagewesener Pracht zu begehenden Berges erkannte.

Erst 1883 kam der Spielberg wieder ins Gespräch, als nämlich der damalige Bürgermeister Winterholler die Errichtung eines d’ Elvert- Monumentes betrieb.

Es wurde am 15. Juni 1885, noch zu Lebzeiten d’Elverts enthüllt. 2004 hat der Brünner Magistrat die Zerstörungen der Nachkriegszeit beseitigen und das Monument originalgetreu wieder herstellen lassen.

Dafür gebührt ihm Dank und Anerkennung.

Zurück also zu d’ Elverts erster Amtsperiode.
Diese Zeit des Aufbruchs und Umbruchs eröffnete dem Bürgermeister einer expandierenden Stadt Spielräume, die er nützen wollte. Die Stadt sollte schöner werden, die Spielbergbepflanzung war ein erster Schritt; sie sollte auch bessere Dienstleistungen bereitstellen, vor allem aber sollte sich auch ausbreiten, den Bürgern Möglichkeiten bieten neue Häuser zu bauen.
Die Ausbreitung und Weiterentwicklung aber wurde durch die beengenden Befestigungsanlagen behindert. Wie ein eiserner Ring umgaben die Befestigungswerke und die Stadttore die innere Stadt.

Dieses alte Bild zeigt die damaligen, ringförmigen Befestigungen, die auch bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts, wenn auch nicht mehr so massiv, die innere Stadt einengten. Sicher hatten diese Befestigungen jahrhundertelang ihre Berechtigung; In stürmischen Zeiten gewiß ein vortrefflicher Schutz; jetzt aber, wo die Kriegstechnik Gräben und Wälle zu überwinden in der Lage war, jetzt wirkten sie nur mehr hinderlich.

Neben dem Spielbergprojekt hatte d’ Elvert vor allem die Erstellung eines Stadterweiterungs- und Regulierungsplanes betrieben, wobei er sich auf Vorarbeiten anderer stützen konnte. Er betrieb das so energisch, daß dieser Plan bereits im Dezember 1862 , also eineinhalb Jahre nach seiner Amtsübernahme, verabschiedet werden konnte. Vier Monate danach sprach der Statthalter dem Plane die vollste Anerkennung aus.

Nach Vorliegen und Genehmigung der Pläne setzte eine äußerst stürmische Bautätigkeit, sowohl von der Stadt wie von Privaten ein.

Man erkennt deutlich im Verlauf der alten Befestigung die neu bebauten Gebiete.

Man muß sich das plastisch vorstellen. Die Befestigungswerke und die Stadttore wurden abgerissen, rasiert, wie man sich damals ausdrückte. Das hatte erhebliche Nivellierungsarbeiten zur Folge, denn auch die Innenstadt wies beachtliche Höhenunterschiede auf.
Die Innenstadt erhielt im Laufe von 30, 40 Jahren ungefähr das Gesicht, das sie bis in die heutige Zeit behalten hat. Und darüber hinaus gewannen die Vorstädte an Umfang und Aussehen.
„So war denn", schrieb d’ Elvert später in einem seiner vielen Bücher, „aus dem alten, beengten, unansehnlichen, kleinstädtischen Brünn, seit der Kaiser das erlösende Wort sprach und die Stadt von ihren jahrhundertealten Fesseln befreite, im Verlaufe einiger Jahrzehnte ein N e u - B r ü n n entstanden, welches der Kaiser selbst nicht erkannte, als er es 1880 mit seinem Besuch erfreute".

Das erste innerstädtische Ensemble, wie man heute sagen würde, bestand aus der verbreiterten Achse vom Obelisken des Franzensberges (der bereits errichtet war) bis hin zur Evangelischen Kirche, mit deren Bau 1863 begonnen wurde.
Eine Reihe von bedeutenden Gebäuden entstanden entlang dieser Straße. Es waren die Technische Hochschule und das Gymnasium 1859/60, 1867 die Jahnturnhalle, die Rudolfschule, daneben ein der Militärverwaltung versprochenes Gebäude, und schließlich 1871-73 das tschechische Vereinshaus, Besední dům, bemerkenswerterweise erstellt nach den Plänen des Wiener Ringstraßenbaumeisters T. Hansen. Das Deutsche Haus wurde erst 20Jahre später gebaut (1891).

Betrachten wir zum Schluß noch einige Beispiele des Baubooms, wie wir heute sagen wüden. Besonders in der sogenannten „Gründerzeit" brachte er in Brünn schöne Blüten hervor, vergleichbar mit der Wiener Ringstraße.

Das „Bienenhaus" gegenüber dem Stadttheater

Die Realschule, an der seinerzeit auch Mendel unterrichtete.

Der Stadthof, am Beginn der Bäckergasse

Die Technische Hochschule

Wohnhaus am Tivoli

Der Margarethenhof hinter der Jakobskirche

D’ Elverts Amtszeit als Bürgermeister endete am 30.6. 1864, er verblieb aber im Gemeinderat als Finanz-Repräsentant. 1870 wurde d’ Elvert wieder Bürgermeister und blieb es sechs Jahre lang. Als Folge einer Finanzkrise und sich gegenseitig blockierender Kräfte im Gemeinderat, wurde dem Spielberg keine besondere Aufmerksamkeit mehr geschenkt. Auch waren andere Anlagen, für die d’ Elvert gesorgt hatte, dazu gekommen, am Glacis und im Schreibwald; die mußten auch betreut werden.

Unverwelkbar aber ist der Lorbeer, den d’ Elvert sich verdiente, mit der Schaffung einer großen grünen Lunge in der Mitte der Stadt; und deshalb ehrte ihn auch die heutige Stadt zu recht.

Meine Damen und Herren,
sie begleiteten mich bei meinem kleinen Erinnerungsspaziergang mit großer Geduld. Dafür bewundere ich Sie, dafür bedanke ich mich und hoffe, Ihnen einen bunten Einblick in das damalige Brünn gegeben zu haben.

Dies ist der 1211293. Aufruf dieser Seiten seit dem 01.02.2001.
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